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Was ist Factoring?



Zusammenfassung

Factoring bietet Unternehmen eine Möglichkeit den Cashflow zu beschleunigen, indem sie ihre Forderungen zu einem reduzierten Preis an Dritte verkaufen, dem sogenannten Factor oder auch Factoringfirma. Factoring wird sowohl durch unabhängige Finanzanbieter als auch Banken angeboten.

Verwandte Begriffe

Debitorenfinanzierung, Rechnungsfinanzierung

Wie funktioniert Factoring?

Der Kunde und die Factoringfirma treffen eine Vereinbarung, gemäss der der Factor das Debitorenbuch und die Debitorenüberwachung für eine befristete Zeit vollständig übernimmt (die Dauer des Vertrags beträgt üblicherweise 24 Monate).

Im Gegenzug zahlt die Factoringfirma einen Teilbetrag im Voraus an den Kunden, sobald dieser eine Rechnung einreicht, meistens in der Höhe von 70-85% des Rechnungsbetrags.

Sobald der Abnehmer des Kunden die Rechnung bei der Factoringfirma beglichen hat, bekommt der Kunde den Restbetrag abzüglich der Kommissionen für die Factoringfirma ausbezahlt.

Vorteile von Factoring

Für eine Gebühr ermöglichen Factoringfirmen ihren Kunden gegen deren ausstehende Rechnungen Barmittel zu erhalten, ohne dass die Kunden auf die Zahlung ihrer Abnehmer warten müssen. Das vereinfacht und beschleunigt den Cash Flow für Firmen die Factoring benutzen. Die meisten Factoringanbieter übernehmen auch das Debitorenmanagement, das heisst, dass diese Arbeit für den Factoringkunden entfällt. Dadurch kann dessen Administrationaufwand sich erheblich reduzieren.

Nachteile von Factoring

Die meisten Factoringfirmen binden ihre Kunden mit langfristigen Verträgen, wobei deren gesamtes Debitorenbuch über die Factoringvereinbarung laufen muss. Diese Verträge sind einerseits sehr teuer, da erhebliche Fixkosten anfallen können, und andererseits sind sie oft schwierig aufzulösen.

Factoringfirmen offerieren anfänglich günstige Tarife und Gebühren, sobald allerdings sämtliche anfallenden Gebühren (oder „Abgeltungen“) berücksichtigt sind, ergibt sich häufig ein deutlich höherer Kostenpunkt. Es handelt sich damit um eine sehr teure Form von Finanzierung.

Viele Factoringlösungen sind ungeeignet für Unternehmen, deren Umsatz hauptsächlich von ein bis zwei Kunden stammt. Der Grund ist, dass viele Factoringfirmen auf Konzentrationslimiten bestehen. Hinzu kommt, dass es Einschränkungen gibt bezüglich Rechnungen von internationalen Abnehmern.

Viele Kunden ziehen es ausserdem vor das Debitorenmanagement selber zu führen als dies an Factoringanbieter abzutreten, da diese oft ihre Kunden zu Zahlungen drängen und dadurch die gute Geschäftsbeziehung mit den Abnehmern gefährden.

Glossar

Auslagen

Lediglich ein anderes Wort für „Zusatzgebühren“. Factoringfirmen verlangen Gebühren für diverse „zusätzliche“ Dienstleistungen, zum Beispiel für taggleiche Bankzahlungen, Briefempfang, Bonitätsprüfungen, Adminfehler, etc.

Offenes oder Stilles Factoring

Die meisten Factoringvereinbarungen sind „offen“, das heisst die Abnehmer des Factoringkunden wissen, dass sie die Rechnungen an eine Factoringfirma bezahlen. Bei „stillen“ Abkommen sind sich die Abnehmer dessen entsprechend nicht bewusst.

„Genehmigungsdauer“ und „Refactoring-Gebühr“

Falls ein Abnehmer eine Rechnung während mehrerer Tage nicht bezahlt (die ausgemachte „Genehmigungsdauer“), wird er durch den Factoringanbieter nicht finanziert. Das hat zur Folge, dass das Unternehmen zusätzlich eine Refactoring-Gebühr zahlen muss, und die Rechnung an den Kunden zurückgegeben wird (der Kunde muss sämtliche Finanzierung zugunsten der Rechnung zurückzahlen). Normalerweise wird ein Prozentsatz auf den Rechnungsbetrag angewandt, inklusive Mehrwertsteuer.

Kreditversicherung, „Regress“ und „Nicht-Regress“

Viele Factoringvereinbarungen beinhalten eine Kreditversicherung. In dem Fall spricht man von Nicht-Regress. Das heisst, dass im Falle eines Zahlungsverzugs oder einer Insolvenz eines Abnehmers des Factoringnehmers die ausstehenden Forderungen zurückerlangt werden können. Falls das Factoring auf „Regress“ basiert gibt es keine Kreditversicherung und der Factoringkundemusst selbst den Betrag für jegliche Finanzierung basierend auf den entsprechenden Rechnungen zurückzahlen.

Schuldscheine, persönliche Bürgschaften, Garantien

Factoringanbieter verlangen meistens Sicherheiten, bevor sie einen neuen Vertrag mit einem Kunden abschliessen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten wie zum Beispiel Schuldscheine auf gewisse Aktiva, persönliche Bürgschaften von Direktionsmitgliedern oder auch Garantien (ähnlich persönlicher Garantien, bei denen der Factoringanbieter auf rechtlichem Weg beweisen muss, dass sein Kunde nicht in der Lage ist seine Vorfinanzierung wiederzuerlangen).

Einzelanteilslimit, Konzentrationslimit, Schuldnerrisikolimit

All diese Begriffe beziehen sich darauf, dass Factoringanbieter verlangen, dass nur ein gewisser Prozentsatz des Debitorenbuchs eines Kunden von einem einzelnen Abnehmer stammt. Diese Voraussetzung kann häufig Factoring als Lösung ausschliessen, wenn ein Grossteil des Umsatzes einer kleinen Firma von lediglich ein paar wenigen Grosskunden stammt.

Siehe auch

Rechnungsdiskontierung, Selektive Rechnungsdiskontierung, Spot Factoring